Supply Chain

Containerlogistik im Seefrachtverkehr: Komplexität beherrschen mit SAP TM und EWM

Containermanagement – der unterschätzte Hebel in globalen Lieferketten

Container wirken auf den ersten Blick wie das simpelste Element der Logistik: ein standardisierter Stahlkasten, der überall passt. In der Realität – insbesondere im internationalen Seefrachtverkehr – steckt hinter jedem ausgehenden Container ein dichtes Geflecht aus regulatorischen Vorgaben, physikalischen Restriktionen und operativen Schnittstellen.

Bereits kleine Inkonsistenzen wirken sich überproportional aus: falsch deklarierte Gewichte führen zu Hafenstandzeiten, eine ungünstige Lastverteilung beschädigt die Ware, fehlende Sicherheitsdokumente verzögern die Verzollung. Containermanagement ist damit kein operatives Randthema, sondern eine strategische Aufgabe mit direkter Wirkung auf Kosten, Liefertreue und Compliance.

Wo die Komplexität wirklich entsteht

Die regulatorische Klammer ist eindeutig: SOLAS (Safety of Life at Sea) verpflichtet Verlader seit 2016, für jeden Seefrachtcontainer eine Verified Gross Mass (VGM) – das verifizierte Bruttogewicht – vor der Verladung zu übermitteln. Hinzu kommt der IMDG-Code für die Beförderung gefährlicher Güter auf See, der Klassifizierung, Verpackung, Kennzeichnung und Dokumentation präzise vorschreibt.

In der Praxis scheitert die Einhaltung selten am fehlenden Wissen, sondern an Prozessbrüchen:

  • Lager-, Transport- und Compliance-Systeme arbeiten auf unterschiedlichen Datenständen
  • Gewichts- und Packdaten werden mehrfach manuell erfasst – und damit fehleranfällig
  • Verantwortlichkeiten zwischen Versand, Spedition und Reederei sind unscharf geregelt
  • Zeitdruck im Cut-off-Fenster lässt keinen Raum für nachträgliche Korrekturen

Das Ergebnis ist ein Prozess, der zwar funktioniert, aber unter dauerhafter Spannung steht – und bei jeder Volumensteigerung oder Auditprüfung an seine Grenzen gerät.

Praxisbeispiel: Globaler Hersteller, gewachsene Prozesse

In einem aktuellen Projekt haben wir einen europäischen Hersteller von Haushaltsgeräten mit weltweitem Vertrieb begleitet. Über Jahre waren die Containerprozesse organisch gewachsen – verteilt auf mehrere Systeme, abhängig von einzelnen Wissensträgern, getragen von Excel-Listen und E-Mail-Abstimmungen.

Die Ausgangslage:

  • über 12.000 Seefrachtcontainer pro Jahr an mehr als 40 Zielhäfen weltweit
  • VGM-Erfassung in einem Stand-alone-Tool, separat vom Versandprozess
  • durchschnittlich 9 % der Container mit nachträglicher Korrektur der Gewichtsdaten
  • manuelle Aufwände von rund 3 Stunden pro Container für Dokumentation und Cut-off-Abstimmung

Die operativen Folgen waren spürbar: vereinzelte Hafenstandzeiten, regelmäßige Eskalationen mit Spediteuren und ein wachsendes Risiko bei externen Compliance-Audits.

Der Lösungsansatz: SAP TM und EWM als integrierte Klammer

Gemeinsam mit dem Kunden haben wir die Containerprozesse end-to-end in SAP Transportation Management (TM) und Extended Warehouse Management (EWM) abgebildet – ergänzt um gezielte Eigenentwicklungen für die kundenspezifischen Anforderungen.

Drei Stoßrichtungen standen im Vordergrund:

1. Ein durchgängiger Prozess statt Systeminseln
Vom Verpacken im Lager über die Ladeplanung bis zur Übergabe an den Carrier läuft der Container heute auf einem einzigen Datenstrom. Pack-, Gewichts- und Sendungsdaten werden einmal erfasst und durchgereicht – ohne Medienbruch zwischen EWM und TM.

2. Compliance, die im Prozess passiert – nicht daneben
VGM, IMDG-Klassifizierung und die zugehörige Dokumentation sind direkt in die Systemlogik eingebettet. Falsche oder fehlende Angaben werden vor dem Cut-off erkannt, nicht erst am Terminal. Die Daten gehen automatisiert an Spedition und Reederei.

3. Planung mit Blick auf den Container, nicht nur die Sendung
Die SAP-Planungswerkzeuge berücksichtigen Containerauslastung, Gewichtsverteilung und Stauraum bereits in der Ladeplanung. Leerraum sinkt, die Lastverteilung wird systemgestützt geprüft, und die Anzahl der benötigten Container pro Sendung lässt sich realistisch kalkulieren.

Das Ergebnis:

Nach Abschluss der Einführung zeigten sich messbare Effekte:

  • Rückgang der nachträglichen Gewichtskorrekturen von 9 % auf unter 1 %
  • Reduktion des manuellen Aufwands pro Container um rund 60 %
  • Containerauslastung im Durchschnitt um 7 % verbessert
  • Keine Hafenstandzeiten mehr wegen fehlender oder fehlerhafter VGM-Daten
  • Auditfähige Dokumentation auf Knopfdruck – inklusive Gefahrgutnachweisen

Vor allem aber hat der Kunde die Prozesse zurück in die eigene Hand bekommen: Containermanagement ist keine Abfolge von Sonderfällen mehr, sondern ein definierter, beherrschbarer Standardprozess.

Fazit

Containerlogistik im Seefrachtverkehr ist deutlich anspruchsvoller, als ihre standardisierte Außenwirkung vermuten lässt. SOLAS, IMDG und VGM sind keine Formalien, sondern operative Realität mit direkter Wirkung auf den Versandprozess. Unternehmen mit relevanten Containervolumen profitieren spürbar, wenn sie diese Anforderungen nicht parallel zum SAP-System, sondern in ihm abbilden.

audaxes verfügt über ein erfahrenes Beraterteam für die Automatisierung von Supply-Chain-Prozessen mit SAP TM, EWM und BTP. Wenn Sie wissen möchten, wie auditfähig und effizient Ihre Containerprozesse heute aufgestellt sind, vereinbaren Sie mit uns einen Container-Readiness-Check – kompakt, faktenbasiert, ohne Verpflichtung.

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audaxes ist ein IT-Beratungsunternehmen, das anspruchsvolle Beratungs- und Realisierungsprojekte im Bereich der Supply Chain Optimierung durchführt. Wir unterstützen Unternehmen jeder Größe bei der Automatisierung ihrer Geschäftsprozesse und entwickeln innovative IT-Lösungen auf Basis aktueller Technologien.

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